Der Mädchenpapi unter dem Sternenhimmel

Hotel, Ferienwohnung, Wohnwagen und Zelt sind spiessig. Spannend wird es erst unter dem Sternenhimmel. Es fallen weder Kosten für Benzin und Stellplatz an, noch muss früh genug reserviert werden. Auch Airbnb führt diese Unterkünfte nicht und im Reiseführer sind sie auch nicht eingezeichnet.

Eine Nacht in einem ganze speziellen Zelt. Eine Nacht unter dem Himmelszelt.

Über uns zieren Millionen von weit entfernte Sternen, Planeten und Galaxien den schwarzen Nachthimmel. Zwischendurch zieht ein Satellit vorbei und wenn es blinkt ist es ein Flugzeug. Mit etwas Glück zieht eine Sternschnuppe ihre Bahn über den nächtlichen Himmel.

Der Grosse Wagen zieht langsam auf. Er weist den direkten Weg zum Polarstern, welcher Unverrückbar hoch oben im Norden steht.

Mit zunehmender Schwärze der Nacht wird ein milchiger, langer Nebel sichtbar. Lange Zeit war mir nicht klar, ob es optische Täuschung, Einbildung oder wirklich die Milchstrasse ist. Jetzt weiss ich es. Und es wird mir bewusst, wie kline und unbedeutend die Erde im ganzen weiten Universum ist.

Neben uns plätschert der kleine Bach, die Grillen zirpen ihr nächtliches Lied und zwischendurch knackt und raschelt es im Gebüsch. Ein Bär ;)? Die Nacht erwacht während wir langsam schlafen gehen.

Wenn Ihr Kind beim Abholen sauber ist, geben Sie es bitte zurück, denn dann hat es noch nicht gespielt.

Spruch aus einer Kita

Wie es dazu kam

Ich bin ein Mädchenpapi. Nicht nur das. Ich bin ein Mädchenpapi mit Herz und Seele. Ich liebe meine Prinzessinnen.

Heisst das jetzt, dass ich nur Barbie Spielen darf, mit lackierten Fussnägeln herumlaufe, zum Spass mit Haarspangen und Zöpfchen herumlaufe und beim Aufhängen der Pferdeposter mithelfen muss.

Nein.

Raus in die Natur. Nach rauch stinken. Schwarze Hände haben. Mit dem Stock im Feuer stochern. Aus dem Fluss Wasser trinken (natürlich mit Wasserfilter). In der Nacht mit der Taschenlampe durch den Wald laufen. Ums Lagerfeuer sitzen und Gruselgeschichten hören.

Das können Mädels auch.

Dei Beilage zur Cervela ist am Köcheln.

Es geht los

Wir packen unsere Rucksäcke mit dem Nötigsten, was man halt so für eine Nacht braucht. Mit dem Bus fahren wir nach Riedtwil, treffen dort einige Mitstreiter und laufen gemeinsam ein paar Minuten ins Tal. Bald ist der Kontakt zur Zivilisation abgebrochen: „Kein Netz“. Weder Facebook, noch Whatsapp kann mich jetzt stören. Nur ich, meine Mädels und die Natur.

Wir finden ein schönes Plätzchen, zünden das Feuer an, kochen Reis und bräteln Würste. Bis es soweit ist gehen die Kinder auf Entdeckungsreise, stauen den Bach, suchen im Wald Schätze und fangen Grashüpfer. Jagen und bauen macht hungrig.

Unser spartanisches Essen geniessend sitzen wir am Boden gekauert ums Feuer. Das Essen wir verschlungen, um möglichst schnell wieder spielen zu gehen.

Mit dem Eindunkeln wird es Zeit, das Nachtlager vorzubereiten. Es wartet nicht das warme kuschelige Bett. Wir finden eine ebene Fläche, breiten unsere Isomatten aus legen uns bald einmal in den Schlafsack. Der Himmel wird dunkler und mit jeder Minute tauchen neue Sterne auf, bis es schlussendlich unzählige sind.

Unser Lager für die Nacht

Und die Moral der Geschichte

Natur ist Abenteuer ist Spiel. Ich bin weder Psychologe noch Erzieher noch habe ich abgesehen von meiner Frau irgend einen pädagogischen Hintergrund, aber welcher welches Videospiel oder welcher Kinofilm sollte so ein Erlebnis ersetzen können?

Sicher gemütlicher wäre es im Bett gewesen. Das Abendessen kann nicht mit dem All-Inclusive Buffet eines Hotels mithalten. Und mehr als 12 Stunden vom Internet abgenabelt zu sein gleicht sozialem Selbstmord.

Egal. Spiel, Spass und Spannung braucht eine gewisse „Investition“. Eine, welche ich gerne wieder mache.