Das Gute mit dem Schönen verbinden

Ich bin ein möchtegern-Ultraläufer. Vor einigen Jahren habe ich als Einstieg in dieses Metier die 100 km von Biel mit Ach und Krach überlebt. Mein zweites Debut war die Umrundung des Brienzersees via Augstmatthorn; rennend natürlich. Umrunden habe ich geschafft… rennend nur bedingt.

Was ist die Faszination daran, den Körper bis an die Grenzen und darüber hinaus zu quälen? Das habe ich mich auch immer wieder gefragt. Ich meine, es sind die folgenden Gründe:

  • Die Faszination zu sehen und erleben, wie weit ich selber mit meinem zwei kleinen Füssen komme.
  • Die Natur zu erleben, einsame Winkel zu entdecken und nur auf sich alleine gestellt zu sein.
  • Die Herausforderung, etwas zu schaffen, was ich noch nie zuvor gemacht habe.

Mit Volldampf aufs Brienzer Rothorn

Obwohl ich regelmässig im Berner Oberland bin, habe ich es noch nie aufs Brienzer Rothorn geschafft. Ja es fährt ein Zug hoch. Als Möchtegern Ultraläufer ist mein Ego jedoch zu gross, um eine Fahrt zusammen mit Stöckelschuh Japanern auf den Gipfel zu ertragen. Zudem bin ich zu geizig, wenn ich ja auch laufen kann.

Lieber komme ich schweissgebadet, mit rotem Kopf, ausser Puste und von Krämpfen geplagt oben an, als mich dort hochkutschieren zu lassen und dabei vor Neid ab den neuesten Kameras und Handys der Japanischen Touristen erblassen muss.

Nein. Geht nicht.

So steht der Entschluss fest. In diese Ferien, werde ich mal schnell aufs Rothorn joggen, um diesen Gipfel auch endlich mal von meiner Liste streichen zu können.

Dann taucht auch noch wie ganz zufällig dieses Foto in meinem Instagram Stream auf: Das Brienzer Rothorn. Der Ausflug scheint Gott gewollt zu sein. Der Plan steht.

Giessbach, der Klassiker

Zuerst steht die Wanderung zu den Giessbachfällen auf dem Programm. Ein gemütlicher kindertauglicher Spaziergang via Schweibenalp und dann zurück nach Iseltwald mit dem Schiff.

Bei herrlichem Wetter kommen wir gut voran, durchqueren duftende Wiesen, kühle Wälder, kühlen uns in der Gist des Giessbaches ab und geniessen schlussendlich das wohlverdiente Eis beim Hotel Giessbach.

Die zündende Idee: Das Gute mit dem Schönen verbinden.

Anstatt mit dem Schiff zurück zu fahren, nehme ich die „Ultraroute“ zurück über die Schweibenalp, aber im Wettkampf gegen das Schiff.

Ich laufe los, überhole fette Touristen in Sandalen und schnaufe bald wie die Dampflock des Rothorns. Die meisten Touristen schaffen es gerade mal knapp zum ersten Wasserfall. Bald bin ich allein und geniesse meinen Mini-Trail Run. Immerhin 400 Höhenmeter gilt es zu bewältigen (im Vergleich zu den gut 1500 m aufs Rothorn natürlich ein klacks).

Doch ziemlich geschafft komme ich nach 50 Minuten an. Den Wegweiser für den Aufstieg habe ich um mehr als die Hälfte geschlagen. … wirklich fit bin ich aber nicht. Woher sollte ich auch. Ohne Fleiss kein Preis.

Weniger ist manchmal mehr

Die Rothorn Tour werde ich wohl nochmals verschieben. Erstens bin ich zu wenig trainiert, zweitens ist mir die Zeit für solche Egotrips zu schade, drittens läuft das Rothorn nicht weg, die gemeinsamen Ferien mit meinen kleinen Kindern aber schon und viertens habe ich heute eine kleine Runde gemacht.

Welcher Teil dieser Tour der Schöne war und welcher der Gute, das weiss ich nicht. Genossen habe ich beide auf ihre Art.

Und noch schöner, das anschliessend gemeinsame Bad im eisigen Brienzersee.

Das war meine Geschichte. Sicher ist es mit vielen anderen Hobbies und Aktivitäten genau gleich und eine Kombination wäre gut möglich.