Endlich über 3’000 Metern – Das Hockenhorn

Seit Jahrzehnten schwebt mir der Dreitausender vor Augen. In den Alpen und besonders im Berner Oberland sind die wanderbaren 3000er jedoch relativ rar. So hat es sich nie so recht ergeben. Dann wie aus dem Nichts taucht das Hockenhorn auf. Mit knapp 3’300 Metern steht es zwischen dem Kanton Bern und Wallis und ist via Kandersteg auch bequem und zügig erreichbar.

Wir starten in Kandersteg und bewältigen die ersten Höhenmetern mit dem Fahrrad. Es gibt zwar eine Strasse, welche jedoch nur mit kostenpflichtiger Erlaubnis oder dem Bus befahrbar ist. Fahrrad scheint die kostengünstige und flexible Alternative. Wir radeln das Gasterntal hoch bis nach Selden, wo wir unsere Velos anketten. Dieses kleine Tal hat etwas mystisches und die Regenfälle und die heissen Sommertemperaturen der vergangenen Tage haben die Kander anschwellen lassen. Ganze junge Wälder stehen im Wasser.

Von Selden kennt der Weg nur noch eine Richtung: Nach oben zum Lötschenpass. Wir überqueren saftige grüne Wiesen und wandern durch Nadelwälder. Mit jedem gewonnenen Höhenmeter wird der Wald lichter und das Grad spärlicher, bis wir schlussendlich die Baumgrenze überschreiben und dann auch die Grasgrenze und schlussendlich nur noch durch Geröll wandern.

Der Weg führt über den Lötschegletscher, wo nur gelegentliches Rauschen unter dem Geröll daran erinnert, dass wir uns auf einem Gletscher befinden. Hohe Seitenmoränen zeugen von der vergangenen Grösse des Gletschers. Viel ist davon nicht mehr übrig. Wir rätseln darüber, wieviel Eis sich wohl noch unter uns befindet, finden jedoch keine Antwort; 5, 10 oder gar 30 Meter?

Nach einem letzten steilen Anstieg erblicken wir bald die Lötschenpasshütte auf 2690 m und mit erreichen der Passhöhe eröffnet sich uns ein wunderbares Panorama über Lötschental und die Walliser Alpen. Vor der Lötschenpasshütte sitzen einige sonnenhungrige Wanderer. Das Ziel ist jetzt in Griffnähe und wir zaudern nicht lange.

Über den mondlandschaftsähnlichen Grat geht es zuerst Sanft und dann doch recht steil zum Hockenhorn. Vor dem Hockenhorn ist kaum ein Pfad ersichtlich und dass man überhaupt auf den Gipfel kommt ohne Kletterausrüstung ist kaum vorstellbar… irgendwie geht es dann doch und schlussendlich sind wir oben. Der Ausblick ist phänomenal. Ich kann mich kaum satt sehen.

Eine 70 jährige Dame gesellt sich noch zu uns. Chapeau. Ich hoffe, ich schaffe das in dem Alter auch noch. Oben ist es angenehm kühl und ich bin froh, dass ich eine Jacke dabei habe. Ist immer schwer vorstellbar, wenn unten im Tal eine brütende Hitze von 33° C herrscht.

Und dann geht es schon bald wieder runter. Unterwegs begegnen wir noch ein paar Steinböcken die friedlich in der Sonne liegen. Auch als wir näher kommen, lassen sie sich nicht stören und trotten gemütlich davon. Nach einem langen Abstieg kommen wir endlich unten an und sind heidenfroh, dass unsere Fahrräder da stehen. Die zusätzlichen Kilometer sind sehr angenehm auf dem Rad.

Fazit: Super Wanderung, aber doch mit der einen oder anderen schwierigen Passage. So kahl die Landschaft da oben auch sein mag, eine gewisse Faszination strahlt sie dennoch aus.

Der Grat führt zum Gipfel
Hockenhorn – Gipfel
Gipfelfoto
Zerklüftete Berglandschaft